Die An-und Ableinmethode nach Fichtlmeier

Merlin und ich auf Treppe im Winter
Merlin und ich auf Treppe im Winter

Das ist die hundefreundlichsten An-und Ableinmethode und kann von Welpenbeinen auf geübt werden. Es stärkt das Vertrauen zwischen dir und deinem Hund und legt die Basis dafür, dass er immer freudig zu dir eilen wird, sobald du ihn rufst. Es wird zu einem wunderbaren Ritual! Starte gleich heute und fang an! Ich erkläre dir wie es geht! Doch vorher stelle ich dir ein paar Fragen:

Wie ist es bei dir, wenn du mit deinem Hund rausgehst?

Lächelt Dein Hund dich an und ist freudig erregt, setzt sich aber trotzdem geduldig vor dich hin und wartet darauf, dass du ihn anleinst, um gemeinsam fröhlich gestimmt auf Gassi-Tour zu gehen?

Hast du das auch schon mit ansehen müssen?

Es wird nach dem Hund „gegrabscht“, er wird festgehalten, das Halsband oder das Geschirr wird dem Hund einfach übergestülpt. So startet manch Spaziergang. Oder im Wald, während des Spazierganges, wenn ein Hund freiläuft und der Halter ihn schnell anleinen möchte, weil da jemand kommt, wird eilig ins Geschirr oder ins Halsband gegriffen, am Hund geruckt, wenn er nicht hört und so weiter. Hunde verstehen und mögen solche Übergriffe überhaupt nicht. Häufen sich solche Situationen, kann es zu Problemen in der Hund-Mensch-Beziehung kommen.

Vielleicht lässt sich dein Hund nicht mehr so zuverlässig abrufen? Dann solltest du schauen, was da möglicher Weise schiefläuft. Vielleicht liegt es am Anleinen? Überlege mal, wie oft du deinen Hund anleinst am Tag.

Wenn du nun mit Bestürzung feststellst, dass auch du in der einen oder andern Anlein-Situation unangemessen handelst, dann bist du schon auf dem besten Weg der Erneuerung und hast die halbe „Miete“ drin.

In nur wenigen Schritten erkläre ich dir heute eine superleichte Anleinmethode – das sogenannte Fichtlmeier-Ritual. Damit startest du von Anfang an in ein erfüllendes Miteinander. Das vormals leidige Anleinen erledigt dein Hund von nun an fast von allein. Freiwillig wird er voller Freude in das Halsband schlüpfen, später sogar hineinspringen, da musst du dann schon aufpassen.

Das Anleinritual

Das brauchst Du:

  1. ein passendes Zugstopphalsband*, welches an einer Leine befestigt ist
  2. ein paar Kekse/Leckereien mindestens 6 größere etwas Festere (zum Knabbern).

*Exkurs Zugstopphalsband:

Das Zugstopphalsband ist auf die Kopfgröße Deines Hundes eingestellt, und zwar so, dass der Kopf samt Öhrchen locker rein- und rausschlüpft. Der Stopp ist so eingestellt, dass der Hund nicht gewürgt wird, denn es heißt ja nicht Zugwürghalsband :). Wenn Zug auf die Leine kommt, weil der Hund zieht, verengt sich das Halsband schrittweise (ohne Ruck) bis zum Stopp. Der Hund kann zu jeder Zeit normal atmen, es wird aber etwas enger als gewohnt um den Hals, also unangenehm für den Hund. Er lernt, dass er es selber in der Hand hat, in dem er auf die Leinenspannung achtet. Wozu das gut ist, erkläre ich Dir in einem anderen BLOG. Auf keinen Fall wird das Halsband zum Würgehalsband!!!! Also unbedingt anpassen.

Ganz wichtig, damit sich keine Fehler einschleichen! Übe das Anleinritual zuerst mit der Hand eines anderen Menschen. Hast du keine Person greifbar, nimm anstelle dessen ein Plüschtier. Bitte mache das, es geht um die Anwendung der sauberen Technik! Somit umgehst du mögliche Unsicherheiten und bist dann viel souveräner bei der Durchführung an deinem Hund. Ich werde hier zeitnah ein Video verlinken.

Start

Motiviert deinen Hund zu dir zu komme, gern auch mit ein zwei  Leckerchen. Bring ihn mit einer freundlichen Sitzgeste in die Sitzposition (siehe Blog: Exkurs: Sitz)

Hinein ins Halsband

  1. Öffne das Halsband so weit wie möglich
  2. Rechtshänder nehmen das Halsband in die linke Hand, Keks in die rechte Hand
  3. Halte das Halsband wie eine Schlaufe (angeklickte Leine ist himmelwärts positioniert) vor die Hundeschnauze
  4. Die rechte Hand hält den Keks und fährt mit dem Keks durch das Halsband hindurch zur Hundenase und lockt/zieht diese mittels Keks, an dem der Hund nun schon knabbern darf, durch das Halsband hindurch. Dabei knabbert der Hund so lange am Keks, bis der gesamte Kopf durch das Halsband gewandert ist. Ist der Kopf* mit Öhrchen durch, überlasst ihr ihm den Keks. Prima gemacht! Hund loben!
  5. Möglicher Weise ist Euer Hund dabei aufgestanden. Dass ist in Ordnung, da es eine aktive Aktion des Hundes ist.

Anschließend könnt ihr gleich mit einer „Nun geht’s los Geste“ in die aufregende Gassirunde starten.

*ACHTUNG: zieht sich der Hund zurück, lass es geschehen und nimm dich zurück. Dein Hund wird es dir danken. Er weiss nun, dass du ihm zuhörst und wird dir sein Vertrauen schenken. Starte neu. Übe nur soweit es dem Hund angenehm ist und er es zulässt. Lass den Hund immer am Keks knabbern, wenn du das Halsband wieder zurücknimmst, wenn er es zum Beispiel nur über die Schnauze zu lässt und dann zurückweicht. Sei geduldig und übe es 3x, dann wiederhole es später erneut.

Wieder raus

  1. Bringe deinen Hund in den Sitz.
  2. Nimm einen Keks in die rechte Hand.
  3. Halte den Keks bereits vor die Hundenase, während dein Hund daran knabbert und schleckert, öffnest du zeitgleich das Halsband mit der linken Hand auf maximale Breite und ziehst es deinem Hund vorsichtig über beide Öhrchen und den Kopf, fertig!
  4. Prima! Du hast es geschafft!! Ausgezeichnet!

Das Halsband samt Leine sollte nun auf deinem Arm liegen und der Hund verbleibt im Sitz. Löse das Signal mit einem „Lauf“ auf.

Führe die Übung am Anfang in einer ruhigen Umgebung durch, im Wohnzimmer, noch nicht in den Raum, der die Ausgangstür nach draußen hat. Bleib selbst immer ruhig.

Übe es dreimal und starte ab heute jeden Gang an der Leine mit diesem schönen Ritual. Achte auf Deinen Hund und seinen Ausdruck. Übe ohne Druck aber mit viel Freude.

Mein Hund wurde von klein auf an, nur so an- und ab geleint. Auch draußen, wenn ich meinen Hund mit anderen Hunden toben lasse oder Freilauf gewähre, geschieht die Freigabe meines Hundes immer nach dieser einfachen Methode. Kein Grabschen, keine Übergriffe, keine Gewalt und kein Druck. Wir arbeiten bei dieser Arbeitsweise nur mit positiven Verstärkern. Das stärkt die Bindung zu deinem Hund. Du wirst es erleben, schon bald wird Dein Hund von selbst in das geöffnet Halsband springen. Das ist so lustig und andere werden dich darum beneiden.

Wer nun die Leine nur an- und ab klinkt vom Halsband, kann angelehnt an die oben beschriebene Vorgehensweise vorgehen. Bitte niemals ins Halsband greifen und den Hund festhalten und ihn dann befestigen. Dass zerstört das Vertrauen. Geh vorausschauend Deine Spaziergänge, lass deinen Hund nie zu weit vorlaufen, so dass du ihn immer sicher und freudig gestimmt zurückrufen kannst und Zeit für das Ritual hast.

Wenn du Fragen hast, schreib mir.

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